Auf der Etikette eines Vitalpilz-Präparats steht eine Angabe, die viel über die Qualität verrät und trotzdem oft übersehen wird: welcher Teil des Pilzes verwendet wird. Fruchtkörper oder Myzel? Beide stammen vom selben Organismus, enthalten aber nicht dieselben Stoffe, werden unterschiedlich kultiviert und ergeben am Ende ein anderes Produkt. Hier erfahren Sie, worauf es ankommt und wie Sie eine Etikette richtig lesen.
Kurz gesagt
- Der Fruchtkörper ist der sichtbare Teil des Pilzes. Das Myzel ist das Geflecht aus feinen Fäden, das im Nährboden wächst.
- Myzel wird häufig auf Getreide wie Reis oder Hafer gezüchtet. Wird der Nährboden nicht abgetrennt, kann das Endprodukt viel Stärke enthalten.
- Beta-Glucane sind Ballaststoffe aus der Zellwand der Pilze. Stärke ist ein Alpha-Glucan: Eine Messung der «Polysaccharide» unterscheidet die beiden nicht.
- Eine klare Etikette nennt den lateinischen Namen, den verwendeten Pilzteil, die Form (Pulver oder Extrakt) und die Menge pro Portion.
- Die Forschung zu Vitalpilzen ist überwiegend präklinisch. In der Schweiz sind für die Pilze selbst keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen.
Fruchtkörper oder Myzel: Was ist der Unterschied?
Ein Pilz ist mehr als das, was man im Wald sieht. Der sichtbare Teil mit Hut oder Stacheln heisst Fruchtkörper. Er dient der Fortpflanzung und bildet die Sporen. Er entsteht erst in einem späten Wachstumsstadium, wenn die Bedingungen stimmen.
Das Myzel ist der vegetative Teil: ein Netz aus feinsten Fäden, den Hyphen, das Holz, Erde oder Nährboden durchzieht. Es existiert vor dem Fruchtkörper und kann lange leben, ohne je einen zu bilden.
Beide haben dasselbe Erbgut, aber nicht genau dieselbe Zusammensetzung. Ein gutes Beispiel ist die Löwenmähne (Hericium erinaceus), auch Igel-Stachelbart genannt: Hericenone werden vor allem im Fruchtkörper beschrieben, Erinacine im Myzel. Wer einen Pilzteil wählt, wählt also ein anderes Stoffprofil.
Myzel auf Getreide: Stärke statt Pilz?
Der greifbarste Unterschied liegt in der Kultivierung. Der Fruchtkörper wird geerntet und lässt sich leicht von seinem Substrat trennen, meist Holz oder Sägemehl. Myzel dagegen wird oft direkt auf sterilisiertem Getreide wie Reis oder Hafer gezüchtet.
Bei der Ernte lassen sich die Fäden kaum vom besiedelten Korn trennen. Viele Hersteller mahlen deshalb beides zusammen. Man spricht von «Myzel auf Getreide». Das Ergebnis enthält Pilz, aber auch einen erheblichen Anteil Stärke aus dem Nährboden, ohne dass dies immer deklariert wird.
Das ist keine Frage der Sicherheit, sondern der Transparenz: Sie bezahlen für Pilz, und ein Teil des Produkts kann Getreide sein. Manche Myzelkulturen wachsen auch in Flüssigfermentation, wodurch sich das Myzel allein gewinnen lässt. Auch hier gibt nur eine genaue Etikette Auskunft.
Vitalpilze Qualität: Warum der Beta-Glucan-Wert allein nicht reicht
Beta-Glucane sind Ballaststoffe in der Zellwand der Pilze. Sie gehören zu den am besten untersuchten Inhaltsstoffen und werden deshalb gerne auf der Verpackung hervorgehoben.
Die Falle liegt in der Messmethode. Viele Analysen erfassen «Polysaccharide» im weiten Sinn. Auch Getreidestärke ist jedoch ein Polysaccharid, genauer ein Alpha-Glucan. Ein Produkt aus Myzel auf Getreide kann also einen hohen Polysaccharid-Wert ausweisen, der vor allem die Stärke des Nährbodens widerspiegelt.
Aussagekräftig ist nur eine präzise Angabe: «Beta-Glucane» statt «Polysaccharide», idealerweise mit einer Methode, die Alpha- und Beta-Glucane unterscheidet. Mehr dazu und zum tatsächlichen Stand der Forschung lesen Sie in unserem Beitrag Beta-Glucane und Nahrungsergänzungsmittel: Was die Wissenschaft sagt.
Pilzpulver oder Pilzextrakt?
Die Zellwand der Pilze enthält Chitin, einen Ballaststoff, den der menschliche Körper kaum verdaut. Darum unterscheidet man zwei Produktarten:
- Pilzpulver: Der Pilz oder das Myzel wird getrocknet und gemahlen. Nichts wird konzentriert oder entfernt.
- Extrakt: Der Pilz wird mit einem Lösungsmittel behandelt, meist Wasser, manchmal Alkohol oder beides nacheinander (Doppelextraktion). Wasser löst vor allem wasserlösliche Stoffe wie Polysaccharide, Alkohol eher Stoffe wie die Triterpene des Reishi Pilzes.
Manchmal steht ein Verhältnis wie «10:1» auf der Packung. Es zeigt, wie viel Rohstoff für einen Teil Extrakt eingesetzt wurde. Das ist nützlich, sagt aber nichts über den verwendeten Pilzteil oder den tatsächlichen Gehalt an Inhaltsstoffen aus. Ein hochkonzentrierter Extrakt aus Myzel auf Getreide bleibt ein Extrakt aus Myzel und Getreide.
Etikette lesen: 6 Punkte, die Sie prüfen sollten
- Der lateinische Name: Hericium erinaceus, Ganoderma lucidum, Polyporus umbellatus... Der Handelsname allein genügt nicht.
- Der verwendete Teil: Fruchtkörper, Myzel oder Mischung. Fehlt die Angabe, lohnt sich eine Nachfrage beim Hersteller.
- Hinweise auf einen Nährboden: Angaben wie «fermentierter Reis», «Hafer» oder «Myzelbiomasse» deuten oft auf Myzel auf Getreide hin.
- Pulver oder Extrakt, und wenn möglich die Extraktionsmethode.
- Die Menge pro Portion: in mg oder ml, für jeden Pilz einzeln, ohne «proprietäre Mischung», die die Anteile verbirgt.
- Herkunft und Anbau: Bio, Anbauland, identifizierbarer Hersteller.
Einen umfassenderen Überblick bieten unsere Beiträge 7 Kriterien für ein hochwertiges Nahrungsergänzungsmittel in der Schweiz und So lesen Sie die Etikette eines Nahrungsergänzungsmittels.
Warum Hymne auf ausgewählte Extrakte setzt
Hymne verwendet Bio-Pilzextrakte, die in Europa ausgewählt und ohne Wärmebehandlung in flüssige Rezepturen eingearbeitet werden, hergestellt in der Schweiz. Dahinter stehen drei Ansprüche:
- Rückverfolgbarkeit: Jeder Pilz ist mit seiner Art bezeichnet und stammt aus einer europäischen Bio-Lieferkette.
- Klarheit: Eine Portion entspricht einem Esslöffel (15 ml) in einem grossen Glas Wasser, einmal täglich. Eine 450-ml-Flasche reicht für 30 Portionen.
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Unsere Rezepturen wurden in Genf zusammen mit einer Naturheilpraktikerin entwickelt. Möchten Sie mehr über den Rohstoff in einer bestimmten Rezeptur wissen, beantwortet unser Team Ihre Fragen gerne. Genau diese Frage dürfen Sie jeder Marke stellen.
Häufige Fragen
Ist Myzel schlechter als der Fruchtkörper?
Nicht unbedingt. Es sind zwei verschiedene Pilzteile mit unterschiedlicher Zusammensetzung. Entscheidend ist die Transparenz: welcher Teil verwendet wird und ob das Produkt auch den Nährboden enthält.
Wie erkenne ich Getreidestärke in einem Vitalpilz-Produkt?
Achten Sie in der Zutatenliste auf Reis, Hafer, «Getreide» oder «Biomasse». Im Zweifel fragen Sie den Hersteller nach dem Pilzteil und dem spezifisch gemessenen Beta-Glucan-Gehalt.
Ist ein hoher Polysaccharid-Gehalt ein Qualitätsmerkmal?
Für sich allein nicht. Polysaccharide schliessen Stärke ein. Nur eine gezielte Beta-Glucan-Messung macht Produkte vergleichbar.
Ist die Wirkung von Vitalpilzen belegt?
Vitalpilze werden intensiv erforscht, meist präklinisch. In der Schweiz sind für die Pilze selbst keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen. Seien Sie bei Versprechen mit Prozentzahlen vorsichtig.
Jetzt wissen Sie, worauf Sie auf einer Etikette achten sollten. Wie wir unsere eigenen Rezepturen Pilz für Pilz deklarieren, sehen Sie im Sortiment von Hymne.
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