Reishi und Chaga werden oft in einem Atemzug genannt, stehen im selben Regal und landen manchmal in denselben Mischungen. Dabei haben die beiden Vitalpilze kaum etwas gemeinsam: weder Herkunft noch Aussehen, Zusammensetzung oder Tradition. So unterscheiden Sie sie, sachlich und ohne Versprechen.
Kurz gesagt
- Reishi (Ganoderma lucidum) ist ein glänzender Porling, der auf Laubbäumen wächst und sich gut kultivieren lässt.
- Chaga (Inonotus obliquus) bildet eine schwarze Masse auf Birken in kalten Regionen und stammt meist aus Wildsammlung.
- Reishi ist für seine bitteren Triterpene bekannt, Chaga für seine Pigmente und für Stoffe aus der Birke wie Betulin.
- Chaga enthält viel Oxalat. Das sollten Sie vor einer regelmässigen Einnahme wissen.
- Für keinen der beiden ist in der Schweiz eine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Hymne bietet Reishi (in Hercule) an, aber keinen Chaga.
Herkunft: Laubwald gegen Birkenwald im Norden
Reishi wächst auf Stümpfen und Stämmen von Laubbäumen in Asien, Europa und Nordamerika. Wild ist er selten, lässt sich aber gut auf Holz oder Substrat kultivieren. Fast der gesamte heute verkaufte Reishi stammt deshalb aus Anbau.
Chaga, auf Deutsch Schiefer Schillerporling, lebt als Parasit vor allem auf Birken in den kalten Wäldern der Nordhalbkugel: Russland, Skandinavien, Finnland, Kanada, nördliche USA. Er wächst langsam, über mehrere Jahre. In der in der Natur geernteten Form lässt er sich kaum kultivieren, weshalb der meiste Chaga aus Wildsammlung kommt. Das wirft Fragen zur Rückverfolgbarkeit und Nachhaltigkeit auf.
Aussehen: lackierter Hut gegen schwarze Kruste
Reishi sieht aus wie ein Pilz: ein nieren- oder fächerförmiger, rotbrauner Hut mit glänzender, wie lackierter Oberfläche.
Chaga erinnert eher an ein Stück Kohle am Baumstamm. Aussen ist er schwarz und rissig, innen orange und faserig. Diese Masse ist kein Fruchtkörper, sondern ein Sklerotium, also ein kompaktes Geflecht aus Myzel. Der eigentliche Fruchtkörper des Chaga ist selten und erscheint meist erst, wenn der Baum abgestorben ist.
Inhaltsstoffe: Was Reishi und Chaga unterscheidet
Beide enthalten Polysaccharide, darunter Beta-Glucane, wie die meisten Pilze. Darüber hinaus unterscheiden sich ihre Profile deutlich:
- Reishi: reich an Triterpenen, vor allem Ganoderinsäuren, die für den bitteren Geschmack sorgen.
- Chaga: reich an dunklen, melaninartigen Pigmenten, an Triterpenoiden wie Inotodiol sowie an Betulin und Betulinsäure, Stoffen aus der Birkenrinde.
Die Zusammensetzung eines Produkts hängt ausserdem vom verwendeten Teil und von der Extraktion ab. Warum, erklärt unser Beitrag Beta-Glucane und Nahrungsergänzung: was die Wissenschaft sagt.
Zwei unterschiedliche Traditionen
Reishi gehört zur chinesischen und japanischen Tradition und wird dort seit Jahrhunderten in der Kunst als Symbol für Langlebigkeit dargestellt.
Chaga stammt aus der Volkstradition Russlands, Sibiriens und Nordeuropas, wo er aufgegossen und wie Tee getrunken wurde. Diese Traditionen erklären die Bekanntheit der beiden Pilze, sind aber kein Wirksamkeitsnachweis.
Was sagt die Forschung?
Beide Pilze werden viel untersucht, überwiegend im Labor oder an Tieren. Studien am Menschen sind begrenzt, besonders beim Chaga. In der Schweiz ist weder für Reishi noch für Chaga eine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen.
Darreichungsformen
- Reishi: getrocknete Scheiben für einen Absud, Pulver, Extraktpulver, Kapseln, flüssiger Extrakt.
- Chaga: Stücke oder Späne zum Aufgiessen, Pulver, Extraktpulver, Kapseln.
Auch der Geschmack spielt mit: Chaga-Tee ist eher mild und holzig, Reishi deutlich bitter und wird in flüssigen Formeln deshalb oft aromatisiert. Mehr zu den Formen in Flüssige Nahrungsergänzung oder Kapseln: Warum die Form zählt.
Worauf Sie achten sollten
Chaga und Oxalate. Chaga enthält viel Oxalat. In der medizinischen Literatur sind Fälle von Nierenproblemen beschrieben, die mit einem hohen und langen Chaga-Konsum in Verbindung gebracht wurden. Wenn Sie zu Nierensteinen neigen oder eine Nierenerkrankung haben, sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Für beide Pilze. Halten Sie sich an die Dosierungsempfehlung. Fragen Sie eine Fachperson, wenn Sie schwanger sind oder stillen, Medikamente einnehmen, insbesondere Blutverdünner oder Blutzuckermedikamente, eine Operation geplant ist oder Sie auf Pilze allergisch reagieren.
Herkunft. Fragen Sie bei wildem Chaga nach der Sammelregion und deren Regelung. Bei Reishi lohnt sich Bio-Anbau mit nachvollziehbarem Lieferanten.
Reishi und Chaga im Vergleich: die Tabelle
| Kriterium | Reishi | Chaga |
|---|---|---|
| Lateinischer Name | Ganoderma lucidum | Inonotus obliquus |
| Andere Namen | Glänzender Lackporling, Lingzhi | Schiefer Schillerporling, Birkenpilz |
| Wo er wächst | Verschiedene Laubbäume, gemässigte und subtropische Regionen | Vor allem auf Birken, kalte Regionen der Nordhalbkugel |
| Verwendeter Teil | Fruchtkörper, Myzel oder Sporen | Sklerotium (die schwarze Masse), teils Myzel |
| Aussehen | Rotbrauner, glänzender, lackartiger Hut | Schwarze, rissige Masse, innen orange |
| Untersuchte Stoffe | Triterpene (Ganoderinsäuren), Polysaccharide | Polysaccharide, Pigmente, Triterpenoide, Betulin |
| Geschmack | Sehr bitter | Mild, holzig, leicht erdig |
| Übliche Herkunft | Meist kultiviert | Meist Wildsammlung |
| Zu beachten | Medikamente, Schwangerschaft, Allergie | Hoher Oxalatgehalt, Medikamente |
| Bei Hymne | Ja, in Hercule | Nein |
Reishi oder Chaga: Welcher Vitalpilz passt zu Ihnen?
Einen «besseren» Pilz gibt es nicht, und keine zugelassene Gesundheitsangabe entscheidet zwischen den beiden. Die Wahl hängt vor allem von praktischen Kriterien ab: bevorzugte Form, Geschmack, Rückverfolgbarkeit der Herkunft und beim Chaga der Oxalatgehalt. Wenn Sie mehrere Vitalpilze vergleichen möchten, hilft Ihnen unser Überblick Reishi, Löwenmähne, Polyporus, Agaricus: Welcher Vitalpilz passt zu Ihnen?.
Und bei Hymne?
Hymne bietet keinen Chaga an. Reishi steckt in Hercule, einer flüssigen Formel mit Zitronengeschmack, die ihn mit Agaricus blazei kombiniert und derzeit fast ausverkauft ist. Zum Sortiment gehören ausserdem Morphée mit Löwenmähne und Vénus mit Polyporus und veganem Kollagen, alle in der Schweiz hergestellt, mit Bio-Pilzen aus Europa.
Häufige Fragen
Ist Chaga wirklich ein Pilz?
Ja. Inonotus obliquus ist ein Pilz. Geerntet wird allerdings kein Hut, sondern ein Sklerotium, eine kompakte Myzelmasse an der Birke.
Kann man Reishi und Chaga zusammen einnehmen?
Manche Produkte kombinieren beide. Die verfügbaren Daten reichen nicht aus, um eine Kombination zu empfehlen. Wenn Sie es in Betracht ziehen, beachten Sie jede Dosierung, den Oxalatgehalt von Chaga und fragen Sie bei Medikamenteneinnahme eine Fachperson.
Welcher schmeckt milder?
Chaga-Tee schmeckt eher mild und holzig. Reishi ist wegen seiner Triterpene deutlich bitter.
Bietet Hymne Chaga an?
Nein. Hymne bietet Reishi in Hercule an sowie Löwenmähne, Polyporus und Agaricus blazei.
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