Cordyceps gehört zu den gefragtesten Vitalpilzen und wird zugleich oft missverstanden. Hinter dem Namen stehen zwei sehr verschiedene Organismen: ein seltener, sehr teurer Wildpilz aus dem Himalaya und eine gezüchtete Art, aus der fast alle heutigen Produkte bestehen. Bevor Sie Cordyceps kaufen, lohnt sich ein Blick darauf, was tatsächlich in der Dose steckt, was die Forschung untersucht und was in der Schweiz erlaubt ist.
Kurz gesagt
- Mit «Cordyceps» sind meist zwei Arten gemeint: der wilde Ophiocordyceps sinensis (früher Cordyceps sinensis) und der gezüchtete Cordyceps militaris.
- Ophiocordyceps sinensis wächst auf Schmetterlingslarven im Hochland von Tibet und im Himalaya. Die Wildsammlung macht ihn selten und sehr teuer.
- Die meisten Nahrungsergänzungen enthalten gezüchteten Cordyceps militaris oder fermentiertes Myzel.
- Cordycepin ist der am häufigsten untersuchte Inhaltsstoff und kommt vor allem in Cordyceps militaris vor. Die Forschung ist überwiegend präklinisch.
- In der Schweiz sind für Cordyceps keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen, auch nicht zu Energie, Ausdauer oder sportlicher Leistung.
Cordyceps sinensis oder Cordyceps militaris?
Der Name Cordyceps bedeutet sinngemäss «Keulenkopf» und beschreibt die Form des Fruchtkörpers, der aus seinem Wirt wächst. Die Gattung umfasst Hunderte Pilzarten, die Insekten befallen. Im Handel spielen vor allem zwei eine Rolle.
Ophiocordyceps sinensis: der Raupenpilz aus dem Himalaya
Der früher als Cordyceps sinensis bezeichnete Pilz wurde nach genetischen Untersuchungen der Gattung Ophiocordyceps zugeordnet. Er befällt Larven von Schmetterlingen, die im Boden hochgelegener Wiesen auf dem tibetischen Plateau und im Himalaya leben. Im Frühling wächst ein bräunlicher Stiel aus dem Kopf der mumifizierten Larve. Die Ernte erfolgt von Hand und ist in manchen Regionen eine wichtige Einkommensquelle. Im Deutschen ist er auch als Raupenpilz bekannt; in der traditionellen tibetischen und chinesischen Medizin hat er eine lange Geschichte.
Cordyceps militaris: der gezüchtete Vitalpilz
Cordyceps militaris ist eine eigene Art, die in vielen Regionen vorkommt, auch in Europa. Sein leuchtend oranger Fruchtkörper lässt sich unter kontrollierten Bedingungen gut züchten, meist auf einem Getreidesubstrat, teils auf Seidenraupenpuppen. Er ist die Grundlage der meisten Pulver, Kapseln und Extrakte. Daneben gibt es Produkte aus Myzel, das in Tanks fermentiert wird und keinen Fruchtkörper enthält.
Cordycepin und weitere untersuchte Inhaltsstoffe
Am bekanntesten ist Cordycepin (3'-Desoxyadenosin), ein Molekül, das dem Adenosin ähnelt. Es wurde zuerst aus Cordyceps militaris isoliert, der laut veröffentlichten Analysen deutlich mehr davon enthält als der Wildpilz. Hinzu kommen Adenosin, Polysaccharide wie Beta-Glucane, Mannitol und Sterole.
Diese Stoffe werden intensiv erforscht, vor allem präklinisch an Zellen und Tieren. Es gibt einige Studien am Menschen, etwa zur körperlichen Belastung, doch sie sind oft klein und ihre Ergebnisse uneinheitlich. Eine Wirkung lässt sich daraus nicht versprechen. Mehr zum Thema Beta-Glucane lesen Sie in unserem Beitrag Beta-Glucane in Nahrungsergänzungsmitteln.
Welche Cordyceps-Produkte gibt es?
- Ganzer getrockneter Pilz: beim Wildpilz oft stück- oder grammweise verkauft, bei militaris auch für Tee und Suppen in der asiatischen Küche.
- Pulver: gemahlener Fruchtkörper oder Myzel samt Nährboden.
- Extrakt: mit heissem Wasser, Alkohol oder beidem gewonnen, teils auf Cordycepin oder Polysaccharide standardisiert.
- Kapseln und flüssige Formen: Die Form ändert die Einnahme, nicht den Pilz. Siehe flüssig oder Kapseln.
Ebenso wichtig wie die Art ist der verwendete Pilzteil. Warum, erklären wir in Fruchtkörper oder Myzel.
Preis und Echtheit: worauf achten?
Wilder Raupenpilz erzielt sehr hohe Preise und wird oft mit Edelmetallen verglichen. Das zieht Fälschungen an: Berichtet wurde über Imitate, künstlich beschwerte getrocknete Pilze und Bedenken wegen Schwermetallen. Wer wilden Cordyceps zu einem tiefen Preis anbietet, verdient deshalb Misstrauen.
Prüfen Sie bei einer Nahrungsergänzung mindestens:
- Den genauen lateinischen Namen: Cordyceps militaris, Ophiocordyceps sinensis oder ein benannter Myzelstamm.
- Den Pilzteil: Fruchtkörper, Myzel oder beides.
- Den Nährboden, wichtig bei veganer Ernährung.
- Die Menge pro Tagesdosis und beim Extrakt das Extraktionsverhältnis.
- Analysen: Kann die Marke Kontrollen auf Verunreinigungen belegen?
Vergleichen Sie den Preis pro Tagesdosis, nicht pro Packung. Weitere Kriterien finden Sie in unserem Ratgeber Vitalpilze in der Schweiz kaufen.
Cordyceps und die Schweizer Rechtslage
In der Schweiz fallen Cordyceps-Produkte unter das Lebensmittelrecht, insbesondere die Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel (VNem). Gesundheitsbezogene Angaben sind auf eine offizielle Liste beschränkt (Anhang 14 der LIV), die für Cordyceps keine Angabe enthält. Ein Produkt darf also nicht behaupten, es gebe Energie, steigere Ausdauer, Erholung oder sportliche Leistung, auch wenn solche Versprechen online weit verbreitet sind. Verantwortlich für die Konformität ist das Unternehmen, das das Produkt in der Schweiz in Verkehr bringt, einschliesslich des Status der Zutat als Lebensmittel.
Vorsichtsmassnahmen
Holen Sie vorsichtshalber ärztlichen oder pharmazeutischen Rat ein, wenn Sie Medikamente einnehmen, besonders Blutverdünner, Immunsuppressiva oder Antidiabetika, wenn Sie schwanger sind oder stillen, oder vor einer Operation. Halten Sie die angegebene Dosis ein; eine Nahrungsergänzung ersetzt keine abwechslungsreiche Ernährung.
Hymne und Cordyceps
Hymne bietet keinen Cordyceps an. Unser Sortiment umfasst drei flüssige Rezepturen: Morphée mit Löwenmähne, Vénus mit Polyporus und veganem Kollagen sowie Hercule mit Reishi und Agaricus blazei, das derzeit fast ausverkauft ist. Wer mehrere Vitalpilze vergleichen möchte, findet sie in unserem Vitalpilze-Vergleich nebeneinander.
Häufige Fragen
Ist Cordyceps ein Pilz oder ein Insekt?
Ein Pilz. Der wilde Cordyceps wächst auf einer Larve, daher sein Aussehen. Gezüchteter Cordyceps militaris wächst meist auf einem Substrat ohne Insekten.
Ist Cordyceps in Kapseln wild gesammelt?
Selten. Meist handelt es sich um gezüchteten Cordyceps militaris oder fermentiertes Myzel. Der lateinische Name auf der Etikette gibt Auskunft.
Ist Cordyceps vegan?
Das hängt vom Nährboden ab. Oft ist er pflanzlich, manche Zuchten nutzen jedoch Seidenraupenpuppen. Fragen Sie beim Hersteller nach.
Verkauft Hymne Cordyceps?
Nein. Hymne bietet Löwenmähne, Reishi mit Agaricus blazei und Polyporus an.
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